Und es gibt sie doch!

ZOMBIES!

Kein Witz jetzt, ich bin eben einem ganzen Rudel begegnet. Politisch korrekt nennt man sie zwar "geistig Behinderte" oder "Minderbemittelte", aber ich finde "Zombies" da doch deutlich passender. Jedenfalls nach dem eben Geschehenen. Denn ich wurde angegriffen!

Eigentlich wollte ich mich bloß ein wenig sportlich betätigen, denn sowohl um meine Kondition als auch um die Festigkeit meiner Oberschenkel war es, meiner Meinung nach, schonmal besser bestellt. Das mit der Kondition dagegen ist eine erwiesene Tatsache, zumindest als ich nach 500m sprinten fast einen Herzkasper bekam und man mich gut und gerne in eine Eiserne Lunge hätte stecken können. Ist doch erbärmlich, was so ein paar Zigaretten am Tag aus einem machen. Es musste etwas geschehen!

Ich kramte also vor gut 2 Wochen die Skates wieder aus dem Schrank und gleite nun eine halbe bis Stunde täglich entweder außerorts durch die Rapsfelder oder innerorts durch den Stadtverkehr.

Für heute hatte ich einen Trip zum Strand geplant, entschied mich aber um, als ich die Wolkengebilde am Himmel studiert hatte. Ich finde Gewitter ansich schon eher halbgeil, aber am Strand bar jeder Möglichkeit sich vor Donnergrollen und zuckenden Blitzen zu verstecken, erschien mir ungeheuerlich.

Beschwingt machte ich mich auf den Weg ins Industriegebiet, denn bei plötzlich einsetzendem Armaggedon könnte ich notfalls auch im Famila spazieren gehen. Die mögen mich zwar nicht, aber Kunde ist König!

Auf halbem Wege liegen die Oldenburger Behindertenwerkstätten und offenbar war da gerade Feierabend angesagt. Es gibt schon ein merkwürdiges Bild ab, wenn ein Heer sabbernder, augenrollender Erwachsener durch die Straßen schlurfen und mir persönlich wird immer ein wenig mulmig dabei. Ich weiß ja, dass die Leute da nichts für können und man darf ja, wenn man gut erzogen ist, auch nicht über solche Menschen herziehn. Aber nun, Moral ist mir zu ethisch.

Ich fand mich also in meinem höchstpersönlichen Albtraum wieder. Aber was sollte schon groß passieren. Man lässt die ja wohl nicht einfach so auf offener Straße herumlaufen, wenn sie für sich oder andere eine Gefahr darstellen. Ja, Pustekuchen...

Ich glitt grade an einem besonder großen, dicken Mann vorbei, als dieser sich schlagartig umdrehte, mir wild fuchtelnd entgegen trat, zu schreien begann und mich dann rückwärts vom Bordstein schubste. Dass er nicht "BRAINS!" krakeelte war auch schon alles, auch wenn das wenigstens im Nachhinein noch erheiternd gewirkt hätte. Aber nein, ich lag also in Fötusstellung mitten auf der Hauptstraße, die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen und wünschte mich an den Strand, meinetwegen auch mitten in ein Weltuntergang verheißendes Gewitter. Der Typ stand immernoch brüllend und sabbernd vor mir, die Autos warteten immerhin brav und plötzlich rannte zwei Betreuer auf den Dicken zu. Während der eine versuchte ihn zu beruhigen, las mich der andere von der Straße auf und entschuldigte sich gute 100 Mal allein in den ersten paar Sekunden. Ich nickte bloß und sah zu, dass ich größtmögliche Distanz zwischen mich und den Zombie brachte.

Das Ende vom Lied? Mein linkes Knie ist blau und ich werde unter Garantie noch einen wunderschönen, farbenfrohen Bluterguss an der Hüfte bekommen. Der Ellbogen jedenfalls, nimmt jetzt bereits ordentlich Farbe an.

Ich hatte zwar immer damit gerechnet, dass sich eines Tages die Toten aus ihren Gräbern erheben. Aber ob nun in einem Sarg oder dem eigenen Kopf gefangen, liegt da wirklich ein so großer Unterschied?

14.6.10 17:20


Schwieriges Alter

Man sagt, das 3. Lebensjahr ist ein schwieriges Alter, weil Erinnerungsvermögen und all der Quatsch, der zum Mensch werden dazugehört, ausgebildet wird. Trotzphasen machen die lieben Kleinen zu unausstehlichen nervenfressenden Monstern.

Man sagt aber auch, das 6. Lebensjahr sei schwierig. Der Ernst des Lebens beginnt, man kommt in die Schule.

Die Jahre 11 bis 16 sind eh die Schwierigsten, weil die Pubertät jedes normale Sozialverhalten mit einem Kopfschuss in die ewigen Jagdgründe schickt.

Das 18. Lebensjahr ist auch schwierig. Die Pubertät klingt grade in ihren letzten Auswüchsen ab und man hat endlich die Freiheit, unsinnige Verträge abzuschließen, sich mit Wodka und Absinth legal ins Koma zu trinken und überhaupt und außerdem lastet die schwere Verantwortung der Volljährigkeit auf den noch nicht einmal ansatzweise erwachsenen Schultern.

Ich hab gestern mit Papa telefoniert. Er ist gestern 53 oder 54 geworden, so sicher bin ich mir da nicht. Wir sind beide etwas wehleidig. Er, weil er "schon wieder ein Jahr weniger" hat und ich, weil mir meine Schlafstörung, mein konfuses Essverhalten und überhaupt die Welt und deren Menschen langsam die Kräfte aussaugt. Wir jammern eben auch mal unbegründet.

Jedenfalls erklärte Papa mir mal wieder, dass 21 ja auch ein schwieriges Alter ist, er könne sich auch noch gut daran erinnern, wie er damals versucht hat, seinen Platz in der Welt zu finden.

Pauschal jedes Lebensjahr erzählte er mir, dass es ein schwieriges Alter ist und so langsam beginne ich mich zu fragen, welches Alter denn mal nicht schwierig ist.

Denn wenn ich Mama so beobachte, scheint 45 ein schwieriges Alter zu sein. Aber eigentlich ist Mama ein schlechtes Beispiel für sowas. Bei ihr weiß man eh nie so ganz, wie alt sie grade ist. Papas 53 oder 54 sehen ebenfalls nicht einfach aus und die fast 30 meiner ältesten Cousine scheinen ihr auch ziemlich zu schaffen zu machen. Das ist doch frustrierend.

Soll ich mir denn bis zu meinem Lebensende sagen, dass es eben ein schwieriges Alter ist? Ich denke nicht. Oma Inge sieht mit ihren 69 sehr zufrieden aus, dafür hat Oma Mimi mit 75 zwei künstliche Knie, ne neue Hüfte und beschwert sich den ganzen Tag darüber, dass ihre Wohnung ein Chaos ist.

Das gibt doch Hoffnung. Sobald ich 69 bin, wird sich die Zufriedenheit wie Gift in meinem Körper ausbreiten, mir ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubern und an meinem 75. Geburtstag wache ich mürrisch und nörgelnd auf, beschimpfe Kinder, die auf meinem Rasen spielen und wieder hat die Unzufriedenheit ihre Klauen um mich geschlossen. Was für Aussichten...

Am Arsch! Mein Alter ist nicht schwierig. Ich bin nicht schwierig! Nicht immer jedenfalls. Und eigentlich bin ich doch ganz zufrieden. Ich sehe jedenfalls keinen Grund, warum das anders sein sollte.

12.5.10 13:01


Pleiten, Pech und Pannen

Vermutlich sollte es mir bei dem ganzen Stress immernoch mehr oder weniger bescheiden gehn, aber nein. Mir gehts gut, verhältnismäßig.

Meine Laune hat den Tiefpunkt also überwunden, dafür lässt Fortuna mich in ihrer Beliebtheitsskala eine Meter absinken.

Jedenfalls geht heute alles schief, was nur schiefgehn kann. Erst habe ich ganz furchtbar verschlafen. 6:30 ist die Zeit, in der mein Wecker mich aus artigen oder unartigen Träumen reisst. Heute nicht. Heute riss mich ein ausgearteter Traum um 10:28 aus meinem seligen Schlummer.

Eigentlich fing der garnicht so schlecht an. Ich hatte ein Doppeldate mit meiner Cousine. Mein Macker, oder wie ich die Erscheinung nennen soll, hatte unheimliche Ähnlichkeit mit einem Sat1-Schauspieler, den ich doch ziemlich zum Anbeissen finde. Wir saßen in einer gemütlichen Lounge, ich hatte mich in seinen Arm gekuschelt, als meine Cousine plötzlich anfing, die peinlichsten Begebenheiten aus meiner Kindheit und Jugend zu erzählen. So böse ich sie auch anstarrte und angiftete, sie hielt den Mund einfach nicht, bis dass ich aufsprang und sie würgte...

Bäm! Ich war wach und "Bäm!" war auch ungefähr das Geräusch, dass die Holzdielen machen, als ich darauf krachte. Mein Bett ist groß und ich bin zuvor erst zwei mal daraus gefallen. Beim ersten Mal bei dem Versuch, so elegant wie möglich aus dem Gewühl von Laken, Kissen und Decke zu krabbeln, als ich mir eine Kissenschlacht mit meinem Ex geliefert hatte, die aber in etwas völlig Anderem endete und das zweite Mal vor einigen Wochen, als ich etwas so Grauenerregendes geträumt hatte, dass mich das Zusammenzucken des Schocks auf die harten Dielenbretter meines Schlafzimmers beförderte.

Ein Blick auf mein Handy sagte mir, dass ich mehr als nur spät dran war. "Ach, was solls. Auf ne halbe Stunde kommt es jetzt auch nicht mehr an." denkend, schlurfte ich in die Küche und machte mir Kaffee. Meine Katzen sind um die Uhrzeit deutlich aktiver als ich. Ivy rannte mit Getöse über meine Couch. Meine neue Couch!

Bei neuen Gegenständen bin ich manchmal extrem empfindlich. Ich bin kein materieller Mensch, aber zu einigen Sachen baue ich eine wirklich emotionale Bindung auf. Dazu gehören mein Notebook, der Tower und neuerdings auch meine superbequeme, schicke und flauschige Couch.

Wütend rannte ich diesem räudigen Katzentier hinterher, übersah dabei die Pfütze um den Wassernapf, die unter Garantie von meinem Kater stammte. Der planscht unheimlich gerne darin rum, wird aber völlig hysterisch, wenn man nur die Brause der Dusche in die Hand nimmt.

Wie dem auch sei, ich übersah, rutschte aus und landete mit einem erneuten, lauten Knall auf dem Rücken, unfähig Luft zu holen, weil mir der harte Aufschlag sprichwörtlich den Atem geraubt hatte.

Ich lag mindestens eine Minute so da und versuchte ohne mich zu bewegen zu lokalisiern, wo es am meisten weh tat. Eigentlich bin ich es ja gewohnt, ständig auf dem Boden zu liegen. Seit ich denken kann, war ich eine motorische Niete.

Dann fiel mir die Zeit wieder ein. Ewig konnte ich also nicht mehr liegen bleiben, rappelte mich, vollzog das Hygienepflichtprogramm, versuchte irgendwie das unbändige Wirrwarr auf meinem Kopf in den Griff zu bekommen, scheiterte und tuschte zum Ausgleich nicht nur meine Wimpern, sondern auch den Bereich ums Auge, stach mir mit dieser blöden Bürste ins Auge und schminkte mich wieder ab. Das hatte heute einfach keinen Sinn.

Wenigstens war der Kaffee fertig. Den konnte ich immernoch auf dem Weg zur Schule trinken. Durch meinen beständigen, schnellen Schritt, ich hatte es ja immerhin eilig, schwappte der Kaffee allerdings so schön heiss über meine Hand, dass ich erst garnicht den Versuch wagte, mir die heisse Brühe in den Mund und möglicherweise noch über den Rest meines Körper zu kippen. Ich handle selten mit Bedacht, aber so völlig unbewusst sind mir manche Dinge nicht. Es wäre immerhin nicht das erste Mal gewesen, dass mir brühendheisser Kaffee in den Ausschnitt läuft. Aus Erfahrung lernt man also dazu.

Das Erste, was ich tat, als ich angekommen war: Bine suchen. Ich brauchte einen medizinischen Rat. Ich hatte mir grade erklären lassen, wie sehr ein hormonelles Mittel den Zyklus versaut, da kam mein Meister um die Ecke.

Bine war schlau genug das Weite zu suchen. "Worüber habt ihr geredet?!" "Das willst du nicht wissen..." Wollte er und wie er wollte. Ich mag den Mann. Er ist sexy und ich glaub, das weiß er auch. Seine machonenhaften Machtspielchen allerdings machen mich nervös. Er soll schließlich eine Autorität darstellen, aber nunmal in Form eines Lehrkörpers. Gut, den Status hat er weder bei mir, noch bei einem anderen Schüler je erreicht. Er war immer vielmehr Ansprechpartner und Kumpel. Nur wenn er laut wurde, wurde es um ihn herum respektvoll still.

Ich wollte grade wiederholen, dass ihn das nichts anginge, als er sich mal wieder drohend vor mir aufbaute. Wie gesagt, ich kanns nicht leiden und es macht mich nervös. Nicht weil mich dieses Verhalten ansich stört, sondern mich die Tatsache nervt, dass ich auf dumme Ideen kommen könnte.

"Gott noch, Julia mach die Augen wieder auf und schieb diese Bilder weg!" brüllt es geradezu in meinem Kopf. Carsten ist weg, ich bin erleichtert. Zeit wieder nach Hause zu gehn. Auf der Treppe schaffe ich es erneut, einen Kniefall zu hinzulegen, komme aber dafür unfallfrei in meine Wohnung.

Schlimmer kann der Tag eigentlich nicht mehr werden. Es sei denn, ich bau während der Fahrstunde einen Unfall. Herrausfordern werde ich das nicht, aber vielleicht sollte ich doch vorher einen echten Kakao trinken, gutes Karma und so.

10.5.10 18:33


Eingeständnis?

Ich habe mich lange gefragt, ob das wirklich nötig ist. Ist es nötig, alles schwarz auf weiß zu haben? Reicht es nicht, die düsteren Gedanken im Kopf oder Unbewussten mit sich herum zu tragen?

Bisher bin ich zu keinem Ergebnis gekommen. Trotzdem drück ich immer wieder aus, wie ich fühle. Nicht damit es andere lesen oder verstehen. Eher damit ich es selber noch einmal lesen kann. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, wenn nicht alles wirr durcheinander fällt. In einem Moment der Klarheit, der aber nie so wirklich klar ist.

Aber warum öffentlich? Naja, damit es doch andere lesen. Damit ich nicht direkt offen aussprechen muss, was mich freut, belastet oder sonst noch so bewegt. Damit jeder selbst entscheiden kann, ob er sich das wirklich antun will. Ob er darauf reagieren will. Erwarten tu ich es nicht, aber zu sehen, dass es jemand beachtet, das ist okay. Anonymes, ungezwungenes Interesse, dass mir jedes Mal ein bisschen das Gefühl vorspielt, Zuhörer zu haben ohne auch nur ein Wort sagen zu müssen. Denn darüber reden will ich eigentlich nicht. Es kommt nie richtig an, wenn ich es laut ausspreche. Es wirkt zu nüchtern, als wär es mir egal. Vermutlich, weil ich zwar sonst wegen jeder Kleinigkeit irgendwelche Gefühlsausbrüche bekomme, aber bei gravierdenen Problemen eine Maske aus Gleichgültigkeit, Müdigkeit oder irrem Frohsinn aufsetze. Selbstbetrug eben. Wenn man sich nicht schlimm benimmt, kann es also auch nicht so schlimm sein.

Deswegen sind häufige Einträge der einzige Indikator dafür, dass es mir nicht gerade berauschend geht. So richtig schlecht gehts mir selten. Dafür bin ich wohl zu egoistisch. Vielleicht auch zu stark, oder um den Rückschluss zu ziehen,... zu schwach?

Schlussendlich spielt es keine Rolle. Es sind nur Phasen. Alles kommt phasenweise. Unglückliche Ebbe und glückliche Flut. Wäre es anders, würde es keinen Unterschied machen, weil sich Glück und Unglück in einem Gemisch aus gleichgültigem Brackwasser vereinen würden. Und das wäre doch wirklich furchtbar, oder?

9.5.10 15:27


Prüfungsstress

05:00: Der Wecker reisst mich aus den Träumen, torkel unter die Dusche, spul das Minimalhygieneprogramm ab und penn fast mit der Zahnbürste im Mund ein.

06:00: Ich find meine Schuhe nicht, hab mir die Zunge am Kaffee verbrannt, der Tag geht mir jetzt schon gewaltig auf den Keks.

06:32: Der Bus trudelt nach 5 Minuten Verspätung endlich ein, meine Panik wird weniger. "Moin!" Was, wer?! Oh Stefan...nicht schon wieder. "Erkennst du mich diesmal?" "Ähm, ja...denke schon."

07:00 : Treff endlich in Lensahn ein, wo mich meine Mitfahrgelegenheit einsammelt.

07:35: Endlich treffen wir im Pädagogium ein. Das Gebäude sieht scheisse aus und drinnen riechts nach jeder Menge Pubertät. Ich kann Teenies nicht leiden...

08:00: Die Prüfungshefte werden ausgeteilt. Der literarische Text ist "Ein netter Kerl". Die Kurzgeschichte handelt von einer "fetten Qualle" mit "Wammen" (Fettrollen) im Nacken. Ich wähle den Sachtext.

09:47: Ich bin fertig. Ich bin die Erste. Warum bin ich immer die Erste, die fertig ist?

10:15: Ich suche ein Kiosk, ein Café, irgendeine Lokalität, wo es Kaffee gibt. Ich will Kaffee. Ich BRAUCHE Kaffee! Aber immerhin bin ich nicht mehr alleine. Ela und Chrischi sind inzwischen auch fertig. Wir müssen allerdings noch auf Bine warten, denn ihre Mutter nimmt uns mit.

10:30: Kiosk gefunden, Kaffee erhalten.

10:35: Kaffee alle, Blase voll. Ela und ich beschließen, im Pädagogium aufs Klo zu gehen. Großer Fehler!

Wir werden von einer Meute kichernder, plappernder, giggelnder Mädchen erwartet, als wir die Tür zur muffigen Schultoilette öffnen

Man hört Gespächsfetzen, "Sebi hat gefragt, ob ich mit ihm gehen will." - eine Sekunde Stille - Lautes Schulmädchengekreische. Wenn Sebi wüsste, worauf er sich da einlässt...

Ela und ich betätigen nach dem Pinkeln die Toilettenspülung, oh Wunder... Es reicht allerdings für einen erneuten Kicheranfall dieser Yuppie-Hühner und einem erstaunten Kommentar "Die spülen ja ab!" Nein, wirklich?! Ich lebte schon in der Zivilisation, da wart ihr erst die Vorahnung des Unfalls, der ihr geworden seid. Ich kann Teenies wirklich nicht leiden!

Mit einem entnervten "'pisst euch!" komplementier ich das gackernde Pack vor die Tür. Ela grinst mich dankbar an, als wir uns die Hände waschen.

Ohne Vorwarnung kracht die Tür erneut auf. Eine Horde testosteronstrotzender Junghengste zwischen 14 und 15 Jahren springt in die Damentoilette (!!) in der Hoffnung, die anwesenden Mädchen zu erschrecken. Ela und ich als einzig Anwesende erschrecken uns ganz gehörig.

Der vorlauteste dieser stimmbrechenden Raufbolde besitzt doch tatsächlich die maßlose Dreistigkeit mir an den Hintern zu langen. Seinen Kumpels erklärt er, dass er ab jetzt auf "ältere Weiber" steht.

Ich bin fassungslos... und mit einem Mal furchtbar wütend. Wohlweislich packt Ela mich am Kragen, schiebt mich in die nächste freie Kabine und schmeisst das Pack brüllend vor die Tür.

ICH HASSE TEENIES!

11:00: Wir sind endlich auf dem Weg nach Hause. In der Neustädter Bucht hält Bines Mama an der Tankstelle an und wir kaufen uns eine Flasche Biermischgetränk. Immerhin haben wir die Prüfung gerockt, da darf man auch mal am Vormittag Alkohol kippen.

12:00: Ich betrete meine heiligen Hallen, mache mir Mozzarellasticks und schlafe ein, während ich den Letzten noch kaue. Was ein Tag!

17:38: Das ist jetzt. Den restlichen Tag werd ich dösen oder sowas in der Art. War ja nun auch anstrengend genug.

4.5.10 17:37


Nachholbedarf, zweiter Akt: Schnee

Der erste Schnee kam so etwa am 19.12.09. An dem Tag hatte ich mich auf den Weg zu meinen Eltern gemacht. Weihnachten stand ja vor der Tür.

Als ich am 3.1. zurück fuhr, warnte Kjelli mich bereits. Wir haben 70cm Schnee in Ostholstein liegen. 70cm?! Ich war mir garnicht mehr so sicher, ob ich nach Hause wollte. Schnee und ich waren mal gute Freunde. Wir konnten stundenlang miteinander spielen. Das änderte sich irgendwann. Warum genau, weiß ich auch nicht. Die Freundschaft war einfach "abgekühlt".

Ich stolperte aus dem Zug direkt in eine Schneewehe. Hüfthoch versunken in weißem, kalten Zeugs, war ich unter meinen Gepäckmassen nicht mehr in der Lage, mich zu rühren. Kjelli musste mich rausheben. Für sowas sind seine 2,02m echt gut zu gebrauchen. Er kommt immer durch, mit allem.

Das mit dem Schnee ging noch ewig so weiter. An einem Tag wurde auf Fehmarn der Notstand ausgerufen. Ganze Dörfer warn von der Außenwelt abgeschnitten. Bine rief mich an und meinte, wir sollten den Filmeabend lieber sausen lassen. Vor Altratjensdorf türmte sich eine 3 Meter hohe Schneeverwehung. Der THW sei zwar schon mit Schneefräsen zugange, aber das würde sicher noch dauern. Den darauffolgenden Tag blieb ich Zuhaus. Es würde eh niemand zur Schule kommen.

Und nun, einen Monat später, hat es wieder geschneit. Vor einer Woche erst, taute es wie verrückt. Menschen wurden von Eiszapfen getroffen und ich hatte seit Wochen endlich mal wieder ein grünes Stückchen Rasen gesehn. Das hatte sich gestern erledigt. Erst begann es nur leicht, dann immer stärker. Überall weiße Flocken, die mal hoch und mal runter tanzten. Mir wird ganz neblig im Kopf, wenn ich mir das zu genau anguck.

Ich würde mal sagen, Schnee und ich...das war einmal. Er nervt mich nur noch. Er ist aufdringlich und man kann nirgends ohne ihn hin. Ich will ihn erstmal nicht wiedersehn. Im Dezember frühestens werde ich einen Versuch wagen, ihm wieder näher zu kommen. Aber vorerst sind wir geschiedene Leute.

10.2.10 22:38


Nachholbedarf, erster Akt: Familie

Eigentlich könnte ich meinen Blog nur mit Geschichten über meine Familie füllen.

Das Jahr hat angefangen. Vor einiger Zeit bereits. Es hat sogar relativ schön angefangen. So etwa bis zum 11.1., denn da rief Mama an. Das tut sie normalerweise nicht. Allerhöchstens zu meinem Geburtstag oder wenn was Schlimmes passiert ist. Ich hab am 19.3. Geburtstag. "Tante Anne hat sich umgebracht!" Ich musste mich spontan übergeben.

Vor zwei Jahren genau um die Zeit war meine Tante Josie mit 45 an einem Schlaganfall gestorben, eine Woche später wär mein Onkel fast drauf gegangen. Ich hatte dieses furchtbare Deja Vu. Eine Woche verging, es passierte nichts. Ich war erleichtert. Mama hatte versprochen, dass ich zur Beerdigung kommen darf. Ich wollte unbedingt. Sie war meine Patentante und ich hab als Kind so viel Zeit mit ihr verbracht.

Mama meldete sich nicht. Am 28.1., ihrem Geburtstag, rief ich artiges Kind an und gratulierte wie ein artiges Kind. Nebenbei fragte ich auch, wann die Beerdigung sei. Ich hatte das meinen Vater schon fast jeden Tag gefragt. Bei Mama traute ich mich nur zwei Mal pro Woche. "Die war bereits am Montag. Ich hab eine Woche versucht dich per SMS und auf dem Festnetz zu erreichen. Deinem Vater hab ich auch gesagt, er soll dir Bescheid sagen, wenn er dich erreicht." Soso... Ich durchwühlte meinen SMS-Speicher, verhörte meinen Vater, checkte meine Anruferliste und den Anrufbeantworter. Die 4 wussten von nichts. Eigentlich war mir das vorher schon klar.

Am 30.1. feierte Mama ihren Geburtstag. Ich durfte hinfahrn. Am Freitag hatte ich mich bereits um 5:50 auf den Weg gemacht. Um etwa 16:00 kam ich an. Papa stand am Bahnhof, etwas zu hager, müde, aber insgesamt fröhlich. Mir wird immer erst klar, dass ich ihn vermisse, wenn ich ihn sehe. Verfluchte 600irgendwas Kilometer! Aber damals war die Entscheidung klar. Entweder so weit weg, wie irgendmöglich oder über kurz oder lang völlig irre werden.

Wir machten einen kurzen Abstecher in diverse Möbelhäuser. Papa renoviert ebenfalls, aber nicht erst seit Kurzem. Bereits seit Jahren. Sowas bringt die Arbeit mit sich, wenn man 75 Cent pro Minute verdient. Ich war begeistert von den XXL-Möbeln, Papa auch. Wir fanden einen XXL-Massagesessel und schliefen beide fast ein.

Im Aldi gabs Wellness-Hosen. Papa meinte, ich hätte Wellness dringend nötig und schenkte mir eine. "Größe XS haben sie nicht. Aber warst du nichtmal mehr?" Klar war ich das, aber sowas bringt der Winter mit sich. Wir aßen Bananen zum Abendbrot. Sowas hatte es in all den Jahren nie gegeben. Erstaunlich, was sich alles verändern kann. Es hat uns Beiden nicht geschmeckt.

Ich hatte mich grade erst hingelegt, da war es Samstag. Mamas Feier... Wir fanden kein Geschenk. Dafür eine Karte "Das Klima erwärmt sich, die Polkappen schmelzen und die feierst eine Party?! Egoist! Darf ich auch kommen?" Papa fand sie lustig. Ich fand sie passend, auf die eine oder andere Art. Mama konnte drüber lachen. Ich schätze, sie hat nichts begriffen.

Ich traf auf meinen Onkel. Gott, war mir schlecht. Ich wusste nicht, was ich sagen soll. Mein Beileid? Jetzt noch? So plump... Aber ich musste nichts sagen. Es klärte sich später.

Mir war langweilig. Ich wollte keinen Alkohol trinken, auch wenn er vielleicht alles anders gemacht hätte. Ich unterhielt mich mit Papa über die Vorzüge eines technischen Studiums. Ingenieure werden gesucht. Mein Cousin Daniel schaltete sich ein. Er studiert ja auch bald, auf der Mies-van-der-Rohe-Schule. Aha. Ich war doch froh, nichts getrunken zu haben. So merkte ich wenigstens, was Alkohol aus ihm macht. 4 Jahre schulische Ausbildung sind kein Studium. Ich hab versucht ihm das zu erklären. Sinnlos... Er ist neun Jahre älter als ich, er hat immer Recht.

Ich versuchte mich weiter mit meinem Vater zu unterhalten. Ich versuchte ihm etwas aus der Schule zu erzählen. Ulf war ausgeflippt, das musste ich einfach nachahmen. Danach wurde es seltsam. Daniel beschimpfte mich. "Wie redest du mit deinem Vater?! Wenn du meine Tochter wärst, hätte ich dich längst verprügelt!" Was? Ich fühlte mich total überrollt. Was hatte ich denn gemacht? Ich versuchte mich zu verteidigen. Aber weswegen eigentlich? Dann kam der Hammer "Du warst mit 5 Jahren schon so arrogant. Eigentlich dürfte ich garnicht mehr mit dir reden, wenns danach ginge!" Das tat weh. Ich blieb ruhig. 4 Jahre haben wir uns nicht gesehn, wir haben uns noch nie unterhalten. An mein fünftes Lebensjahr kann ich mich nichtmal mehr erinnern. Er wütete weiter. Mir gings nicht gut, er tat mir weh. Ich blieb ruhig. Er hörte nicht auf. Ich blieb ruhig und wurde gemein. "Du hast grade 5 Minuten einer fast 21 Jahren währenden Vater-Tochter-Beziehung erlebt. Du hast nichts verstanden und einen Gesprächsfetzen völlig aus dem Kontext gerissen. Du versuchst das schamlos gegen mich zu verwenden, wegen Sachen, aus einer Zeit, an die ich mich nicht erinnern kann. Wer von uns Beiden ist hier arrogant?" Er ging. Endlich. Mein Onkel stand neben mir, er nahm mich in den Arm. Ich versuchte ihm die Sache mit der Beerdigung zu erklären. Es klappte nicht, er lächelte. "Es ist okay. Wir kennen deine Mutter beide." Ich wollte nur noch nach Hause, die ganzen 600irgendwas Kilometer.

10.2.10 22:21


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]