Alle Jahre wieder...

Um das alles weniger kompliziert zu gestalten, eine kurze Vorgeschichte: Meine Cousine wohnt zur Zeit bei meinem Vater, warum auch immer. Sie hat drei Katzen. ChinChin, ein gefühlte 15 Kilo schwerer Kater. Bella, eine zuckersüße, etwas scheue Katzendame und Robin. Robin ist 9 Wochen alt, oder so. Also klein und ebenfalls süß. Mit ihm musste ich eine längere Zeit aushandeln, dass er zwar mit mir spielen darf, aber meine Füße wirklich meine Füße sind.

Ich hab zwar meinen Galgenhumor wiedergefunden, dennnoch war die letzte Nacht schlichtweg unangenehm.

Wie die ganze Situation zustande kam, ist aber an und für sich schon eine amüsante Geschichte, jedenfalls wenn man nicht der Hauptakteur ist. Bevor ich gestern im heimischen Bahnhof ankam, wusste ich nichtmal, wo ich überhaupt nächtigen soll. Weder Mutter noch Vater hatten sich positiv geäußert. Mir war's ja relativ egal, ich bin eigentlich sehr genügsam. Als Papa mir eröffnete, dass ich mir mit Janine ein Bett teilen sollte, bin ich dann doch fast an die Decke gegangen. ICH?! Mir mit meiner dusseligen, schnarchenden, brabbelnden Cousine ein Bett teilen?! Ich war mir sicher, das musste ein Irrtum sein. Ich war mindestens in einem bösartigen Paralleluniversum gelandet und dort musste mein Karma denkbar ungünstig sein. Nach einer 15 minütigen Diskussion, fanden wir dann doch eine Lösung, mit der zumindest mein gekränktes Ich leben konnte: Ich habe auf irgendwas Rotem, angeblich eine Wellness-Liege, vor einem riesigen Plasmafernseher geschlafen, der die ganze Nacht durch lief. Irgendein Gibbs aus N:CIS hat sich in meine Träume geschlichen. Mein Vater schnarchte einen Meter weiter auf der Couch.

Es war nicht optimal. Nein, also eigentlich war es katastrophal. Mindestens 3 Wirbel haben sich schmerzhaft ausgerenkt. Ich fühl mich ein wenig indisponiert. Das Schlimmste jedoch, ich bin seit 6:10 wach. 50 Minuten vor meiner normalen Aufsteh-Zeit, wenn ich zur Schule muss. Was sind denn das für Ferien? Aber wenigstens hatte der werte Herr Kaffee gemacht. Meine Cousine sollte eigentlich um halb 7 aufstehn, um 7 schnappte ich mir ihren Minikater, schlich ins Schlafzimmer und schob ihn unter ihre Decke. Offenbar bekam der kleine Racker ein wenig Panik und zerkratzte ihr die Oberschenkel. Mein Vater beglückwünschte mich. Er hatte Janine noch nie so zeitig aus dem Bett bekommen.

Mein Vater scheint zur Zeit generell ein wenig desillusioniert zu sein. Ich hatte gestern Abend das Vergnügen, ihn bei dem Versuch zu beobachten, meiner Cousine Nachhilfe für ihre Matheklausur zu geben. Ein obskures Schauspiel, ich hatte viel zu lachen. Irgendwie tat der arme, alte Mann mir trotzdem leid. Heute Morgen ging das Gezicke bereits los, da war die Gute grade zwei Minuten aus dem Bett raus. Irgendwie entschädigte mich das doch ein wenig, für diese Horrornacht.

21.12.09 08:13


Kopfchaos

17 Referate, in jedem Fach 2 Tests pro Woche, zich Zusatzaufgaben... Ich habe so viele Informationen in meinem Kopf, dass ich garnicht mehr weiß, was wozu gehört. Die Lehrer krachen sich untereinander, jeder will es besser wissen und besser können. Wir können ja doch nichts. Mal heißt es, man fliegt von der Schule. Mal heißt es, man wird nicht zur den Prüfung zugelassen. Selten stellt man überhaupt jemanden zufrieden. Von ehemaligst 24 Leuten sind noch 5 übrig. 8 Neue sind vor ein paar Wochen dazu gekommen. "Die sind soviel besser als ihr!" Das soll ein Ansporn sein? Gute Leistungen werden einfach runtergeputzt.

Ich hatte heute meinen ARGE-Termin. Frau Waldbauer war entsetzt, als ich ihr schilderte, wie mit uns umgegangen wird. Sie konnte garnicht glauben, dass sowohl unsere Deutschlehrerin, als auch unsere Sozialpädagogin uns ständig mit dem Rauswurf drohen. Sie meinte, es würde niemand mehr rausgeworfen werden, nur weil ab und an mal fehlt. Man müsse schon wochenlang abwesend sein, um das zu riskieren.

Und was fragte Frau Holländer, als ich wieder kam? "Na, Julia, haben sie ihnen ordentlich den Kopf gewaschen?" dieses hämische Grinsen... "Nein, Frau Holländer, ganz im Gegenteil. Frau Waldbauer wollte sich nur danach erkundigen, wie es mir geht und hat sich für die hier herrschenden Zustände entschuldigt" entsetztes Gesicht. Gott, tat das gut!

Trotzdem fühl ich mich nicht besser. Alles fällt schwer, bis auf Grübeln. Grübeln geht immer, von früh bis spät, die halbe Nacht durch. Und der einzige, der sich wehrt, ist mein Körper. Ich hab die Ferien so nötig.

14.12.09 14:31


Zeitreisen: Und es hört nie auf...

Bine weinte, weil sie sich von ihrer besten Freundin nicht verstanden fühlte. Ihre Mutter nahm sie in den Arm und sagte ihr, dass sie sich deswegen nicht verrückt machen soll. Bine sagte immer, ihre Mutter wäre ein Biest, ein kaltes, egoistisches Biest, wie meine Mutter. Aber ihre Mutter hat warme Momente.

Ich musste an meine Mutter denken. Damals, als Danni nach 2 Jahren Beziehung mit mir Schluss gemacht hat, ist für mich eine Welt zusammen gebrochen. Danni und Claudia waren meine Familie gewesen, sogar Dannis verrückter Stiefvater war immer für mich da. Das war mit einem Tag verloren und ich musste zurück in meine zerrüttete Familie. Papa hat sich alle Mühe gegeben mich aufzuheitern, erzählte mir, dass Danni eh ein Arsch war und ich Besseres verdient habe. Frank meinte, weinen nützt zwar nichts, aber wenn ich's schon tu, dann soll ich ihn wenigstens anrufen und das nicht mit mir selbst ausmachen. Mama sagte damals nur "Das wird nicht das letzte Mal sein" Sie hatte Recht, aber was hat mir das genützt? Ich war todtraurig.

Aber eigentlich lief es ja immer so. Immer wenn ich weinte, sagte Mama "Hör auf damit. So zeigst du Schwäche und niemand mag schwache Menschen." Irgendwie hatte sie auch da Recht, ich verstand nur nicht, warum ich denn nichtmal bei ihr schwach sein durfte. Ich weiß, dass viele Leute gerne in die Kerbe schlagen, wenn man eh schon verletzt ist, aber warum tat sie das auch so gerne? Ich versteh das bis heute nicht.

Nun ist die Trennung von Danni schon ein paar Jahre her und wie schlimm das war, hab ich nur noch dunkel in Erinnerung. Mein Vater schaudert noch heute, wenn er daran denkt. Mama hat mittlerweile eingesehn, dass sie zu hart war. Viele alte Fehler hat sie eingesehn. Sie macht sie trotzdem immer wieder.

Als Timo sich von mir getrennt hatte, schrieb ich ihr eine Email. Die kurze Antwort lautete "Andere Mütter haben auch schöne Söhne." Das war schon ein kleiner Stich ins Herz. Über Weihnachten war ich dann Zuhause, die Familie wusste nicht bescheid, dennnoch war jedem klar, das irgendwas nicht in Ordnung war und es wurden Fragen gestellt. Das war okay, ein wenig unangenehm zwar, aber es tat trotzdem gut. Endlich hörte jemand zu. Zumindest bis Mama anfing von ihrem neuen Motorrad zu erzählen. Sie hat nicht einmal gefragt, wie's mir geht. Sie interessierte mehr, ob mir die Farbe der Honda gefällt.

Das tat weh, ziemlich heftig sogar. Ich weiß eigentlich garnicht warum. Sie war ja nie anders. Vielleicht hab ich aber doch noch die Hoffnung, dass sie sich irgendwann ändert oder das ich mit der Zeit einfach einen Teil von dem Ärger, der Trauer oder was auch immer, vergessen kann. Meistens gelingt das auch. Aber wenn ich Mama dann brauche, ihr eine Email schreibe und wieder erst nach 4 Tagen eine Antwort kommt und sie nichts weiter zu sagen hat, als "Stell dich nicht so an. Das wird schon wieder.", da vergess ich das ich eigentlich vergessen wollte...

22.11.09 14:00


Zeitreisen: Todesangst

Todesangst ist ein Zustand, den ein Mensch dann erlebt, wenn sein Körper ernstlich in Gefahr ist. Das kann bei einem Beinahe-Autounfall passieren, wenn man grade noch die 40 Tonnen Stahl und Motorkraft auf sich zurauschen sieht und sie dann, wie durch ein Wunder, einfach vorbeirauschen. Bei einem Herzinfarkt hat der Betroffene Todesangst, denn das Engefühl in der Brust, Atemnot, starke Schmerzen in der Herzgegend die bis in den Bauchraum strahlen sagen einem sehr eindeutig "Jetzt hast du's hinter dir!"

Das sind die normalen, erklärlichen Gründe für Todesangst. Es kommt aber vor, dass der Körper, vielmehr der Kopf, einem falsche Signale schickt. Ein plötzliches Stechen in der Leiste oder der Lunge, Druckgefühl im Toraxbereich, Schwindel, verschwommene Sicht. Das sind alles Dinge, die einfach so ohne gravierenden Grund passieren können. Sie können aber auch Symptome eines perforierten Darms, eines rupturierenden Magens, eines Hirntumors, Schlaganfall oder Lungenembolie sein.

Es gibt tausende Gründe, warum man auf der Stelle tot umfallen könnte. Trotzdem glauben die Wenigsten, von einem Laster überollt zu werden, wenn sie über eine rote Ampel rennen. Niemand geht davon aus, dass der Zug entgleist, in den er grade steigt. Kaum jemand macht sich Gedanken darum, das der bestellte Martini vielleicht gepanscht sein könnte. Von alltägliche Situationen wird man nicht aus der Ruhe gebracht.

Ich bin einer dieser Kandidaten, der über rote Ampeln geht, mutig mit der Flex rumfuhrwerkt und nicht eine Sekunden darüber nachdenkt, was alles passieren könnte. Neulich flog mir erst ein ziemlich großes Brett um die Ohren, weil ich unvorsichtig an der Gehrungssäge war. Das hatte mich für ein paar Sekunden schockiert, über die Folgen hab ich mir nie Gedanken gemacht. Ich schaffe es in fast jeder Lage Kopf und Kragen zu riskieren, aber...

Wenn ich abends allein Zuhaus bin, einen stressigen Tag hatte, der mich körperlich und geistig gefordert hat, dann passieren diese Dinge, die mich wirklich aus der Bahn werfen. Engegefühl, Atemnot, Schmerzen in der Brust, Rauschen in den Ohren. Ich bekomme Angst. Dadurch fällt mir das Atmen noch schwerer, mir wird schwindelig. Ich weiß ganz genau, das ist nur mein Kopf, allenfalls ein ausgerenkter Brustwirbel. Trotzdem sitzt der Zweifel in der Ecke und fragt "Was ist, wenn nicht? Was ist, wenn es diesmal was Ernstes ist?"

Das erste Mal Probleme mit diesem Gefühl bekam ich kurz nach meinem 18. Geburtstag. Ich wohnte grade ein paar Monate nicht mehr Zuhause und war furchtbar erkältet mit Fieber, Gliederschmerzen und dem ganzen Pipapo. Mir ging's miserabel, so furchtbar elend. Ich konnte kaum einen Schritt tun, ohne das mir alles vor den Augen verschwamm und dauerhaft dieses Rauschen in den Ohren.

Mir ging es wirklich scheiße, aber das war nichts, was ich nicht vorher schonmal erlebt hatte. Der Unterschied war, das davor Papa immer in unmittelbarer Nähe war. Wenn mir irgendetwas passiert wäre, wäre er noch schnell genug da um mir helfen zu können.

Aber wer merkt schon, wenn ich Zuhause plötzlich umkippe?

17.11.09 16:15


Mentale Orgasmen

Bine, Bine's Kumpel Timo, Kjell, Jördis und ich waren gestern Abend in der Muse. Ein toller Abend, wie immer. Ich stand den ganzen Tag schon unter Strom und auch ein bisschen neben der Spur. Das ließ irgendwann schlagartig nach und ich glitt in Tagträume.

"...Ich steig aus dem Zug. Endlich ist es soweit, er steht vor mir. So groß und stark, nimmt mich in die Arme, küsst meinen Haaransatz, meine Stirn, meinen Hals und dann..."

Ja, dann glitt plötzlich eine Hand auf meinen Oberschenkel! Es durchzuckte mich wie ein Blitz, vor Schreck verrenkte ich mir fast die Schultern. Als ich die Augen öffnete, grinste Timo mich an. "Na Schätzchen, wo warst du grade?" Oh mein Gott! Ich war kurz vor einem Kuss! Einem guten, langen Kuss und er fasst mir auf eine sanfte Art an den Oberschenkel?! Ich weiß, dass Timo andersrum ist, trotzdem hatte mich diese einfache Berührung so scharf gemacht, dass ich am liebsten laut geschrien hätte. Ihn amüsierte das ganz köstlich, ich begab mich zurück in mein geistiges Abenteuer.

"...langsam, zärtlich streift er meine Sachen runter. Die Dusche läuft bereits und das warme Wasser taucht alles in einen dämmrigen Nebel. Ich spüre diese warmen Hände auf meinem Rücken, als er mich in die Duschkabine drängt. Meine Knie zittern ein bisschen, als er meinen Bauch..."

Aaaah, Timo! Schon wieder diese Berührung! Ich verschluckte mich fast, riss die Augen auf und funkelte ihn bitterböse an. "Und wo wart ihr jetzt?" "Unter der Dusche... Lass das bitte!" quengelte ich. Kjell wurde aufmerksam, kurz darauf auch Jördis, die Bine eine Handmassage verpasste. Ich versuchte zu erklären. Meine blühende Fantasie, die Tatsache, dass ich Monate keinen schönen Sex mehr hatte und da noch diese große Sache bevorsteht, versetzen mich oft in Tagträume. Erotische Fantasien, die sich in meinem Kopf abspielen und meinen Körper beeinflussen. Mentale Orgasmen eben. Bine und Jördis waren neidisch. Ich wollte zurück in die Duschkabine, aber das war zu dem Zeitpunkt unmöglich, weil ich aufeinmal unter Beobachtung stand. Man sieht zwar nicht, was in meinen Gedanken passiert, aber trotzdem komm ich mir vor, als würde man mich beim Sex beobachten. Als ich dann jedoch Zuhause auf der Couch lag, fand ich endlich Ruhe.

"...Er sieht mir in die Augen, als sich dieses Gefühl einstellt. Mein Magen tanzt, meine Finger krallen sich in seine breiten Schultern. Ich bin nicht mehr in der Lage, zu denken, denn ohne Vorwarnung kommt das große Zittern."

24.10.09 12:12


Fiebrig heiss und unartig

Eigentlich gings mir gestern hundeelend. Ich hatte zu wenig geschlafen, also garnicht. Zwar wollte ich eigentlich gestern zu Kjells Kaffee und Kuchen-Feier, doch war mein Kreislauf so fertig, dass ich keine 3 Schritte machen konnte, ohne fast zu kotzen und bekam zusätzlich noch Fieber

Stattdessen schmiss ich irgendwann die Webcam an und videochattete mit Benni. Das taten wir ziemlich lange und nachdem wir erstmal über allen möglichen Blödsinn philosophiert hatten, kamen wir zu unserem Lieblingsthema: Sex in all seinen Einzelheiten, Facetten, Formen, Farben, Gerüchen, Stellungen und so weiter.

Ich erzählte Benni irgendwann von meinem Plastikfreund und wie unerotisch das Ding ist. Er wollte ihn sehn. Ich kramte also in den Tiefen meines Schlafzimmer nach dem Vibrator, hielt ihm das Ding vor die Linse und jammerte darüber, dass er völlig nutzlos ist. Bis zu dem Punkt, wo mir ne ziemlich schmutzige Idee in dem Kopf kam. Benni meinte nur "Was grinst du so bösartig?!" Ich weiß, dass Männer Zungenspiele klasse finden, also knabberte ich erst ein bisschen an dem Ding rum, leckte es, nahm es in den Mund und ersticke fast an dem Lachanfall, den ich bei Bennis gequältem Gesichtsausdruck bekam.

"Soll ich aufhörn?" "NEIN!"

Kurz bevor ich schlafen ging, sah Benni aus, als würde er furchtbar leiden. Ich hab mir echt ein bisschen Sorgen gemacht, denn viel gesagt hat er auch nicht mehr.

19.10.09 16:04


By The Time You Come Home, I am Already Stone

"I can't hardly wait, 'til you get out of my cage..."

This house is not a home. I'm better off alone. "Mama" ist der Begriff, der diese Einstellung geprägt hat. Alles, was ich bin, wie ich handele, mich bewege, benehme, rede und denke, ist ein Versuch, mich ihrem Sein zu entziehen. "Sie hat mir die besten Jahre meines Lebens geraubt" wäre schwer zu sagen, weil ich erst am Ende sagen kann, welche meine besten Jahre waren. Aber sie hat mir meine Kindheit genommen. Ich finde, dass die Kindheit eine wichtige Zeit ist. Jeder verbringt sie anders, aber jeder war zu dieser Zeit Kind. Ich nicht. Ich war immer die, die Mama gebremst hat, meinen Stiefvater getröstet hat und Papa das Gefühl geben musste, dass er nicht zu alt ist.

Ich war Mutter, Vater, Kind für drei Menschen, die wegen mir und wegen sich selbst, hauptsächlich aber wegen ihrer Verbindung zueinander völlig fertig mit der Welt waren. Ich habe drei Menschen aufrecht erhalten, zu jeder Zeit. Dann bin ich gegangen und trotzdem tu ich es in harten Zeiten immernoch.

"Pain without love. Pain, I can't get enough. Pain, I like it rough 'cause I'd rather feel pain then nothing at all."

18.10.09 03:03


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