Pleiten, Pech und Pannen

Vermutlich sollte es mir bei dem ganzen Stress immernoch mehr oder weniger bescheiden gehn, aber nein. Mir gehts gut, verhältnismäßig.

Meine Laune hat den Tiefpunkt also überwunden, dafür lässt Fortuna mich in ihrer Beliebtheitsskala eine Meter absinken.

Jedenfalls geht heute alles schief, was nur schiefgehn kann. Erst habe ich ganz furchtbar verschlafen. 6:30 ist die Zeit, in der mein Wecker mich aus artigen oder unartigen Träumen reisst. Heute nicht. Heute riss mich ein ausgearteter Traum um 10:28 aus meinem seligen Schlummer.

Eigentlich fing der garnicht so schlecht an. Ich hatte ein Doppeldate mit meiner Cousine. Mein Macker, oder wie ich die Erscheinung nennen soll, hatte unheimliche Ähnlichkeit mit einem Sat1-Schauspieler, den ich doch ziemlich zum Anbeissen finde. Wir saßen in einer gemütlichen Lounge, ich hatte mich in seinen Arm gekuschelt, als meine Cousine plötzlich anfing, die peinlichsten Begebenheiten aus meiner Kindheit und Jugend zu erzählen. So böse ich sie auch anstarrte und angiftete, sie hielt den Mund einfach nicht, bis dass ich aufsprang und sie würgte...

Bäm! Ich war wach und "Bäm!" war auch ungefähr das Geräusch, dass die Holzdielen machen, als ich darauf krachte. Mein Bett ist groß und ich bin zuvor erst zwei mal daraus gefallen. Beim ersten Mal bei dem Versuch, so elegant wie möglich aus dem Gewühl von Laken, Kissen und Decke zu krabbeln, als ich mir eine Kissenschlacht mit meinem Ex geliefert hatte, die aber in etwas völlig Anderem endete und das zweite Mal vor einigen Wochen, als ich etwas so Grauenerregendes geträumt hatte, dass mich das Zusammenzucken des Schocks auf die harten Dielenbretter meines Schlafzimmers beförderte.

Ein Blick auf mein Handy sagte mir, dass ich mehr als nur spät dran war. "Ach, was solls. Auf ne halbe Stunde kommt es jetzt auch nicht mehr an." denkend, schlurfte ich in die Küche und machte mir Kaffee. Meine Katzen sind um die Uhrzeit deutlich aktiver als ich. Ivy rannte mit Getöse über meine Couch. Meine neue Couch!

Bei neuen Gegenständen bin ich manchmal extrem empfindlich. Ich bin kein materieller Mensch, aber zu einigen Sachen baue ich eine wirklich emotionale Bindung auf. Dazu gehören mein Notebook, der Tower und neuerdings auch meine superbequeme, schicke und flauschige Couch.

Wütend rannte ich diesem räudigen Katzentier hinterher, übersah dabei die Pfütze um den Wassernapf, die unter Garantie von meinem Kater stammte. Der planscht unheimlich gerne darin rum, wird aber völlig hysterisch, wenn man nur die Brause der Dusche in die Hand nimmt.

Wie dem auch sei, ich übersah, rutschte aus und landete mit einem erneuten, lauten Knall auf dem Rücken, unfähig Luft zu holen, weil mir der harte Aufschlag sprichwörtlich den Atem geraubt hatte.

Ich lag mindestens eine Minute so da und versuchte ohne mich zu bewegen zu lokalisiern, wo es am meisten weh tat. Eigentlich bin ich es ja gewohnt, ständig auf dem Boden zu liegen. Seit ich denken kann, war ich eine motorische Niete.

Dann fiel mir die Zeit wieder ein. Ewig konnte ich also nicht mehr liegen bleiben, rappelte mich, vollzog das Hygienepflichtprogramm, versuchte irgendwie das unbändige Wirrwarr auf meinem Kopf in den Griff zu bekommen, scheiterte und tuschte zum Ausgleich nicht nur meine Wimpern, sondern auch den Bereich ums Auge, stach mir mit dieser blöden Bürste ins Auge und schminkte mich wieder ab. Das hatte heute einfach keinen Sinn.

Wenigstens war der Kaffee fertig. Den konnte ich immernoch auf dem Weg zur Schule trinken. Durch meinen beständigen, schnellen Schritt, ich hatte es ja immerhin eilig, schwappte der Kaffee allerdings so schön heiss über meine Hand, dass ich erst garnicht den Versuch wagte, mir die heisse Brühe in den Mund und möglicherweise noch über den Rest meines Körper zu kippen. Ich handle selten mit Bedacht, aber so völlig unbewusst sind mir manche Dinge nicht. Es wäre immerhin nicht das erste Mal gewesen, dass mir brühendheisser Kaffee in den Ausschnitt läuft. Aus Erfahrung lernt man also dazu.

Das Erste, was ich tat, als ich angekommen war: Bine suchen. Ich brauchte einen medizinischen Rat. Ich hatte mir grade erklären lassen, wie sehr ein hormonelles Mittel den Zyklus versaut, da kam mein Meister um die Ecke.

Bine war schlau genug das Weite zu suchen. "Worüber habt ihr geredet?!" "Das willst du nicht wissen..." Wollte er und wie er wollte. Ich mag den Mann. Er ist sexy und ich glaub, das weiß er auch. Seine machonenhaften Machtspielchen allerdings machen mich nervös. Er soll schließlich eine Autorität darstellen, aber nunmal in Form eines Lehrkörpers. Gut, den Status hat er weder bei mir, noch bei einem anderen Schüler je erreicht. Er war immer vielmehr Ansprechpartner und Kumpel. Nur wenn er laut wurde, wurde es um ihn herum respektvoll still.

Ich wollte grade wiederholen, dass ihn das nichts anginge, als er sich mal wieder drohend vor mir aufbaute. Wie gesagt, ich kanns nicht leiden und es macht mich nervös. Nicht weil mich dieses Verhalten ansich stört, sondern mich die Tatsache nervt, dass ich auf dumme Ideen kommen könnte.

"Gott noch, Julia mach die Augen wieder auf und schieb diese Bilder weg!" brüllt es geradezu in meinem Kopf. Carsten ist weg, ich bin erleichtert. Zeit wieder nach Hause zu gehn. Auf der Treppe schaffe ich es erneut, einen Kniefall zu hinzulegen, komme aber dafür unfallfrei in meine Wohnung.

Schlimmer kann der Tag eigentlich nicht mehr werden. Es sei denn, ich bau während der Fahrstunde einen Unfall. Herrausfordern werde ich das nicht, aber vielleicht sollte ich doch vorher einen echten Kakao trinken, gutes Karma und so.

10.5.10 18:33
 


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