Und es gibt sie doch!

ZOMBIES!

Kein Witz jetzt, ich bin eben einem ganzen Rudel begegnet. Politisch korrekt nennt man sie zwar "geistig Behinderte" oder "Minderbemittelte", aber ich finde "Zombies" da doch deutlich passender. Jedenfalls nach dem eben Geschehenen. Denn ich wurde angegriffen!

Eigentlich wollte ich mich bloß ein wenig sportlich betätigen, denn sowohl um meine Kondition als auch um die Festigkeit meiner Oberschenkel war es, meiner Meinung nach, schonmal besser bestellt. Das mit der Kondition dagegen ist eine erwiesene Tatsache, zumindest als ich nach 500m sprinten fast einen Herzkasper bekam und man mich gut und gerne in eine Eiserne Lunge hätte stecken können. Ist doch erbärmlich, was so ein paar Zigaretten am Tag aus einem machen. Es musste etwas geschehen!

Ich kramte also vor gut 2 Wochen die Skates wieder aus dem Schrank und gleite nun eine halbe bis Stunde täglich entweder außerorts durch die Rapsfelder oder innerorts durch den Stadtverkehr.

Für heute hatte ich einen Trip zum Strand geplant, entschied mich aber um, als ich die Wolkengebilde am Himmel studiert hatte. Ich finde Gewitter ansich schon eher halbgeil, aber am Strand bar jeder Möglichkeit sich vor Donnergrollen und zuckenden Blitzen zu verstecken, erschien mir ungeheuerlich.

Beschwingt machte ich mich auf den Weg ins Industriegebiet, denn bei plötzlich einsetzendem Armaggedon könnte ich notfalls auch im Famila spazieren gehen. Die mögen mich zwar nicht, aber Kunde ist König!

Auf halbem Wege liegen die Oldenburger Behindertenwerkstätten und offenbar war da gerade Feierabend angesagt. Es gibt schon ein merkwürdiges Bild ab, wenn ein Heer sabbernder, augenrollender Erwachsener durch die Straßen schlurfen und mir persönlich wird immer ein wenig mulmig dabei. Ich weiß ja, dass die Leute da nichts für können und man darf ja, wenn man gut erzogen ist, auch nicht über solche Menschen herziehn. Aber nun, Moral ist mir zu ethisch.

Ich fand mich also in meinem höchstpersönlichen Albtraum wieder. Aber was sollte schon groß passieren. Man lässt die ja wohl nicht einfach so auf offener Straße herumlaufen, wenn sie für sich oder andere eine Gefahr darstellen. Ja, Pustekuchen...

Ich glitt grade an einem besonder großen, dicken Mann vorbei, als dieser sich schlagartig umdrehte, mir wild fuchtelnd entgegen trat, zu schreien begann und mich dann rückwärts vom Bordstein schubste. Dass er nicht "BRAINS!" krakeelte war auch schon alles, auch wenn das wenigstens im Nachhinein noch erheiternd gewirkt hätte. Aber nein, ich lag also in Fötusstellung mitten auf der Hauptstraße, die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen und wünschte mich an den Strand, meinetwegen auch mitten in ein Weltuntergang verheißendes Gewitter. Der Typ stand immernoch brüllend und sabbernd vor mir, die Autos warteten immerhin brav und plötzlich rannte zwei Betreuer auf den Dicken zu. Während der eine versuchte ihn zu beruhigen, las mich der andere von der Straße auf und entschuldigte sich gute 100 Mal allein in den ersten paar Sekunden. Ich nickte bloß und sah zu, dass ich größtmögliche Distanz zwischen mich und den Zombie brachte.

Das Ende vom Lied? Mein linkes Knie ist blau und ich werde unter Garantie noch einen wunderschönen, farbenfrohen Bluterguss an der Hüfte bekommen. Der Ellbogen jedenfalls, nimmt jetzt bereits ordentlich Farbe an.

Ich hatte zwar immer damit gerechnet, dass sich eines Tages die Toten aus ihren Gräbern erheben. Aber ob nun in einem Sarg oder dem eigenen Kopf gefangen, liegt da wirklich ein so großer Unterschied?

14.6.10 17:20
 


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