Wahnwitz am Wochenende

Ich war vor einiger Zeit im Großraum Aachen tätig. Man kann durchaus tätig sagen, denn es war doch ziemlich anstrengend.

Am frühen Donnerstagnachmittag machte ich mich auf den Weg zu meinem Vater und war wohl gegen 20:30 endlich da. Fast pünktlich zu Germanys Next Topmodel, was mir bei meinem Vater irgendwie nie erspart bleibt. Nach dem üblichen Informationsregen über Papas Lena, kuschelte ich mich irgendwann mit meinem Laptop auf die Couch, trank 3 Dosen Mädchenbier und schlief, noch während ich Steve McGarrett anschmachtete, ein.

Freitagmorgen wachte ich auf, mir war komisch. Ich glaubte, es sei Hunger und trank einen Kaffee. Mir war immernoch komisch, also folgte ich dem Rat meines Vaters und wollte mir ein Brot machen. Ich hatte die Brottüte grade auf, da entschloss ich mich, doch erstmal ins Bad zu gehen. Das war definitiv die bessere Entscheidung, denn andernfalls hätte ich wohl den restlichen Vormittag damit verbracht, die Küche zu putzen und ich hatte ja schließlich noch den Auftrag, Papas Felgen zu putzen.

Mein Vater, mit seinem sagenhaften Talent, mich in Panik zu versetzen, fragte scherzhaft "Biste schwanger?". Ich bekam große Augen, überlegte wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, kam zu dem Schluss, dass es praktisch unmöglich ist und schickte ihn los, mir einen Schwangerschaftstest holen. Man muss dazu sagen, dass ich seit geraumer Zeit ein Problem mit meiner Periode hab. Ich bekomme sie unzureichend bis gar nicht.

Der Test war negativ, mir ging's wieder besser.

Nachdem ich dann also eine Stunde Papas Felgen geschrubbt und weitere 20 Minuten versucht habe, meine Finger wieder sauber zu bekommen, fuhren wir in die Stadt. Ich bekam ein sehr schönes T-Shirt mit einem bösen Freddy Krüger auf der Vorderseite und sehr großzügigen Cutouts auf der Rückseite. Ich könnte es theoretisch auch als Kleid tragen, allerdings sollte ich Stringtangas dann vermutlich meiden. Bei C&A fand meine Cousine ein sehr schönes, schwarze Kleid, dass sie an sich selbst zwar unmöglich fand, weil sie immernoch der Meinung ist, sie sei fett, aber an mir eine gute Figur machte. Papa übernahm die Kosten und befand, dass ich noch passende Schuhe dazu bräuchte. Die gabs allerdings erst am nächsten Tag.

Ich rief stattdessen meine Mutter an und kündigte mein Erscheinen für Abends an. Schließlich hatten wir ja noch was zu klären. Das "Klären" lief darauf hinaus, dass sie sich ziemlich übel betrank und mir immer wieder erzählte, dass ich zwar ein furchtbarer Mensch bin, sie mich aber trotzdem liebt. So weit so gut. Danach verlangte sie von mir, dass ich wieder ein Verhältnis zu ihr aufbaue. So weit so gut. Ich versprach, mich regelmäßig zu melden. Das tue ich tatsächlich. Das lief die ersten beiden Telefonate auch wirklich toll. So weit so gut...

Ich habe jetzt seit etwa einer Woche nichts von ihr gehört, obwohl sie versprach, mich zurückzurufen. Auf der Arbeit erreich ich sie nicht, Zuhause auch nicht. So weit so... Von wegen! Es nervt mich. Tierisch!

Ich weiß genau, worauf das hinaus laufen wird. Wir werden zwei Monate nicht miteinander sprechen. Danach wird sie in einer spontanen Eingebung von Vollrausch bei mir anrufen und mir Vorwürfe machen, dass ich mich nie bei ihr melde. Ist das fair? Natürlich nicht. Kann ich was dagegen tun? Natürlich nicht...

Ich ruf also weiterhin täglich bei ihr auf der Arbeit an und lasse mich, wenn sie denn mal ran geht mit "Ich hab grade keine Zeit." abspeisen. Normalerweise haben Menschen auf der Arbeit tatsächlich nicht so viel Zeit. Sie schon, sie arbeitet im öffentlichen Dienst. Zuhause hat sie ebenfalls keine Zeit.

Es nervt... tierisch... Aber es tut nicht mal mehr weh. Finanziell vielleicht ein bisschen, falls ich den ÖD-Kinderzuschlag nicht mehr bekommen sollte. Aber was soll's? Wenn das Theater dann endlich ein Ende hat, verzichte ich gerne auf 100 Euro extra. Wird es aber vermutlich nicht. Also rufe ich weiterhin an. Schließlich ist sie meine Mutter.

7.6.11 18:38
 


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